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Leben im Raum!

LL: Frau Bachner welche Visionen haben Sie als ganzheitlich arbeitende Architektin für das Wohnen am Beginn dieses neuen Jahrtausends?
CB: Eine Frau, für deren Familie ich gerade ein Haus plane, hat es auf den Punkt gebracht – ein Miteinander ohne Selbstaufgabe! Dafür brauchen wir neue Wohn und Lebensformen, wo individueller und gemeinsamer Raum in ausgewogenem Maß vorhanden ist.

LL: Mit Ihrer Architektur und Raumgestaltung möchte Sie diesen Prozess unterstützen?
CB: Wir alle haben das Bedürfnis nach Eigenraum, ein Grundbedürfnis nach Schutz, Abgrenzung, Entspannung und Rückzug. Ein Ort, wo wir uns zum Ausdruck bringen können, wo wir einfach sein dürfen! Wenn kein eigener Raum möglich ist, dann ist es nur ein Platz. Bei meiner Arbeit ist es mir ein großes Anliegen, daß jeder seinen stimmigen Raum hat – im physischen wie im übertragenen Sinn. Wer den eigenen Raum einnimmt, kann anderen mit Gelassenheit ihren entsprechenden Raum geben – ein Beitrag für den “Frieden” zu Hause und darüber hinaus!

LL: In diesem Prozess begleiten Sie die Bewohner den eigenen Raum einzunehmen und zu gestalten?
CB: Über individuelle Raumgestaltung arbeiten wir gemeinsam daran, den einzelnen in seiner Kraft zu stärken. In einem weiteren Schritt ist es auch möglich, Aspekte die uns “fehlen” oder abgelehnt werden, bewußt zu machen und über die Gestaltung des Raumes zu integrieren. Dadurch kommen wir mehr in Balance und unserer inneren Ganzheit spürbar näher.

LL: Was wäre noch ein wichtiger Schritt für das “Neue Wohnen”?
CB: Das Leben im Raum! Mir liegt sehr viel daran, die Qualität Raum bewußt zu machen und in die Räume zu bringen. Der Raum im außen steht in Verbindung mit unserem “inneren Raum”. Sie kenne die Empfindung von Raum – Weite, Klarheit, Ruhe und Zentrierung! Wenn wir die Qualität Raum nicht nur in der Landschaft oder auf Plätzen, sondern in unseren Lebensräumen erfahren können, erleben wir die Kraft des Raumes – sein Geschenk – das ich persönlich immer wieder als freudig, zentriertes Wachsein, als Präsenz im Augenblick wahrnehme.

LL: Wie läßt sich diese Qualität Raum realisieren?
CB: Weniger ist mehr – die Reduktion auf das Wesentliche öffnet den Raum. Der Frühling ist eine gute Zeit um Altes zu verabschieden, gehen zu lassen und freien Raum zu schaffen. Raum bedeutet genügend Zwischenraum, Raum ist die Leere, die Stille zwischen den einzelnen Dingen. Jedes Bild, jede Blume braucht ihren Raum. Es ist ein beachtlicher Unterschied, ob wir im Raum oder zwischen dem Möbeln leben.

LL: Ein Ausblick für die neue Zeit!?
CB: Wenn wir Raum haben, das heißt die Qualität Raum auch im Alltag wahrnehmen können, dann sind wir päsent, da im Augenblick, und dann haben wir auch Zeit! Die Qualität Raum wirkt sehr stark auf unser Bewusstsein.

Text – Life Light Magazin